Zwischen Realität und Fiktion. KI, DEsign und Marke
Wir begegnen Plakaten überall im öffentlichen Raum – von kleinformatigen Aushängen bis zu überdimensionalen Werbeflächen. Sie werben, informieren, verführen oder provozieren.
Seit dem späten 19. Jahrhundert haben Künstlerinnen und Künstler das Plakat von einem rein informativen Medium zu einer eigenständigen Kunstform erhoben. Besonders während der Belle Époque und im Jugendstil nutzten Maler wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Alfons Mucha das Medium, um ihre Werke einem breiten Publikum im Stadtbild zugänglich zu machen. Auch Vertreter der Klassischen Moderne wie Pablo Picasso, Salvador Dalí, Joan Miró undHenri Matisse entwarfen Plakate – als Ausdrucksmittel oder zur Ankündigung ihrer Ausstellungen. All dies wurde in sorgfältiger „Handarbeit“ unter Anwendung lithografischer Techniken ausgeführt.
Auf jedem Plakat geht es darum, auf begrenzter Fläche eine Botschaft zu vermitteln, die in kürzester Zeit ankommt und nachhaltig wirkt. Längst sind Plakate mehr als reine Informationsträger: Sie prägen unsere visuelle Kultur, bestimmen das Erscheinungsbild öffentlicher Räume und spiegeln gesellschaftliche Werte wider. Trotz der beschränkten Fläche verlangt die Gestaltung nach Klarheit – eine scheinbar einfache, in Wahrheit aber hochkomplexe Aufgabe.
Die Ausstellung „Zwischen Realität und Fiktion – KI, Design und Marke“ präsentiert eine Auswahl KI-generierter Werbeplakate von Studierenden der Studiengänge Digital Media Marketing und Medieninformatik am Campus Zweibrücken der Hochschule Kaiserslautern. Sie bietet jungen Kreativen die Möglichkeit, ihre Perspektiven im Spannungsfeld zwischen Kunst und Design zu zeigen und zugleich die Rolle von Künstlicher Intelligenz in der heutigen visuellen Kultur zu reflektieren.
Mithilfe digitaler Tools entstanden Plakate, die auf Datensätzen von Tausenden realer Designs basieren. Dabei bleibt die menschliche Kreativität das zentrale Element – KI dient als Verstärker, nicht als Ersatz. Die gezeigten Arbeiten verdeutlichen, wie Plakate über Werbung hinaus Originalität, gestalterische Freiheit und kommunikative Kraft vereinen können.
In der Verbindung von KI und Plakatdesign eröffnet sich ein neues Spannungsfeld: zwischen künstlerischer Freiheit und algorithmischer Logik, zwischen Kommunikation und Ästhetik, zwischen Handwerk und künstlicher „Intelligenz“.
Die Ausstellung versteht sich als Beitrag zur aktuellen Debatte über den Einsatz von KI in Kunst und Gestaltung und lädt zugleich dazu ein, Perspektiven für zukünftige Formen kreativen Ausdrucks im digitalen Zeitalter zu erkunden.
Dr. Kurt W. Becker
Kunstverein Zweibrücken,
Zwischen Realität und Fiktion
Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist das Thema vieler Debatten, Überlegungen und Experimente der letzten Jahre. Und wir dürfen sicher sein, dass KI uns weiter begleiten und herausfordern wird. KI wird uns aber auch unterstützen und neue Möglichkeiten eröffnen. Inzwischen generiert KI nicht nur Texte, sondern auch Bilder und die sind mit jeder Version überzeugender. Grundlage für die KI können andere Bilder sein, sogenannte Referenzbilder, oder Bildbeschreibungen für zu generierende Bilder, die Prompts. Es ist auch möglich, die KI-Anwendung selbst um einen Prompt für die Generierung eines Bildes zu bitten.
Trainiert wird eine KI mit vorhandenen Bildern aus verschiedenen Datensätzen. Dass die Bilder vorhanden sind, heißt, dass sie von einer Person gestaltet wurden. Die Verwendung dieser Trainingsdatensätze durch Anbieter von KI-Anwendungen ist Teil der Debatte und auch Gegenstand aktueller Gesetzgebung. Aber: Ohne Trainingsdaten keine KI. Ohne Bildtradition kann es keine KI generierten Bilder geben. Die Bildtradition wurde von Menschen geschaffen, denen Urheberrechte zugestanden werden. Für KI generierte Bilder, Texte, Musiken etc. gibt es diese Urheberrechte bislang nicht. Erst von Menschen vorgenommene, wesentliche gestalterische Eingriffe stellen das Urheberrecht wieder her.
Für alle, auch für die, die in der Gestaltung tätig sind, stellt sich die Frage, wie weit KI eine Aufgabe gut, effizient und kostengünstig umsetzten kann. Sicher ist, dass die Umstände sich bereits geändert haben. Wir müssen damit umgehen. Für die Studiengruppen in der Veranstaltung „Grafische Gestaltung und Digitaler Workflow“ ging es darum, herauszufinden, wie weit KI ein helfendes Werkszeug sein kann oder auch eigene Vorstellungen vom Ergebnis durch Vorschläge der KI erweitert werden können. Wir haben das ausprobiert und in Kolloquien diskutiert und kritisch begleitet. Für eine gutes Ergebnis ist der Zeitaufwand immer noch hoch. Für das Logo Design taugt die KI sogar nur als Impulsgeber. Die Studierenden mussten also gestalterisch eingreifen und haben damit die Urheberrechte an der Gestaltung. Artefakte und Besonderheiten in den Bildern sind akzeptiert und für gut befunden.
Haben Sie Vergnügen und Inspiration bei den Produkten zwischen Fiktion und Realität.
Prof. Barbara Christin
Studiengangsleiterin Digital Media Marketing
Hochschule Kaiserslautern
Standort Zweibrücken

























